Eine Ballonfahrt: Das war der Traum von Manuela Schenk

Eine Ballonfahrt: Das war der Traum von Manuela Schenk aus Geldersheim.

Die Geldersheimerin ist jetzt eine Luftprinzessin       

Manuela SchenkManuela SchenkSchweinfurt  - Grossbardorf

  


Schon als kleines Kind war sie verzaubert beim Anblick der großen Ballons, die so leise durch den Himmel schweben. „Irgendwann möchte ich das auch mal machen“, dachte sich das Kind und legte den Kopf sehnsüchtig in den Nacken. Bald 30 Jahre dauerte es bei Manuela Schenk und in der Zeit ereigneten sich heftige Dinge, bevor sie ihren Traum verwirklichte.

Ein seltener Gendefekt riss das musikalisch begabte Mädchen aus der Kindheit und beeinträchtigt seitdem ihr Leben mit Gleichgewichtsproblemen und Gangstörungen. Seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Aber das beeinträchtigt die energiegeladene junge Frau kaum. Temperamentvoll und witzig schildert sie allerlei Kuriositäten, die ihr in der Welt der Normen so begegnen. Unter anderem werde sie oft so behandelt, als sei sie auch geistig behindert, so Schenk.

Nach der Ausbildung Jura-Studium

Nach dem Abitur hat sie eine Ausbildung bei einer Krankenkasse in Schweinfurt absolviert und ein Jura-Studium in Würzburg angeschlossen. Die Vorprüfungen sind bereits abgelegt. Das Behinderten- und Sozialrecht wird ihr Schwerpunkt sein. Es gebe so viele Möglichkeiten für bessere Unterstützungen, von denen die Betroffenen oft nichts wissen, weiß Manuela Schenk. Vom Gesetz her müssten die Ämter die Betroffenen beraten, aber oft fehle es hier an Kapazitäten.

Vor bald drei Jahren hieß es dann, sie sei zu einer sicheren Steuerung eines Autos nicht mehr in der Lage und es wurde ihr der Führerschein entzogen. Diesen Einschnitt in die Mobilität hat sie als großen Schock empfunden, so Manuela Schenk. Ein Hörsturz war die Folge und Probleme mit dem Herz.

Als vor einem Jahr eine Operation notwendig wurde, kam ein Kreislaufkollaps dazu und so sei ihr Leben nur noch an einem seidenen Faden gehangen. „Ein solches Erlebnis ändert viel“, meint Manuela Schenk. Unter anderem habe ihr die Musik sehr geholfen, mit dem Erlebnis fertig zuwerden.

Der Verlust des Führerscheins beeinträchtigt sie heute nicht mehr so sehr. Betreut wird sie nun von einer Mietwagenfirma, deren Fahrer sie zu all ihren Therapien und anderen Terminen bringen.

Mit Krankengymnastik, Logo- und Ergotherapie und auch mit Krafttraining stemmt sie sich gegen ihre Erkrankung „Never give up“, heißt es auf ihrem Oberarm in einer Tätowierung. Im Juli feierte sie ihren zusätzlichen einjährigen Geburtstag, zur Erinnerung an die Operation. Und wie es wohl dazugehört, erfüllte sich dabei ihren lang gehegten Lebenswunsch. Einmal in einem Ballon fahren.

Schwierige Suche

Aber so einfach war das nicht. „Was? Behindert? Das geht gar nicht.“ So lautete die Standardantwort auf ihren Wunsch. Bis jemand sie an Georg Leupold aus Bad Königshofen verwies, „der hat so was schon mal gemacht.“ Und das war auch der richtige Mann, um ihr ihren Wunsch zu erfüllen, zeigte sich schnell.

Im Prinzip ist das gar nicht so kompliziert, erklärt Georg Leupold, der als Pilot seit fast 25 Jahren den Ballon bevorzugt, inzwischen auch amtlicher Luftfahrtprüfer ist und andere Fahrer ausbildet. Er hat schon vor einigen Jahren eine Konstruktion erfunden, mit der Behinderte sicher im Korb sitzen können. Und Sicherheit ist generell wichtig, so der 54-Jährige. Wichtig sei es sowieso, auf stabile Wetterlagen zu achten, man müsse auch ein guter Meteorologe sein fürs Ballonfahren. Dann sei auch die Bestimmung des ungefähren Landeorts kein Problem.

Anfragen hat er inzwischen vom weither. Das Ballonfahren ist schließlich das sicherste Lufttransportmittel, erklärt Leupold. Es seien auch schon über 90-Jährige begeistert mit ihm geflogen.

Am Kiliani-Fest in Würzburg testete sich Manuela Schenk auf dem Riesenrad auf Höhenangst, aber diese blieb aus. So ging es danach an einem geeigneten Tag in Schweinfurt auf den Mainwiesen zum Start. Rund eine halbe Stunde dauert es, bis ein Ballon so mit Gas gefüllt ist, dass er abheben kann. „In den Randzeiten der Sommertage ist oft ideales Wetter“ so Georg Leupold. Gegen Abend, als die Winde sich legten, hob der 35 Meter hohe Ballon sich majestätisch über die Bäume und schwebte über die unterfränkische Landschaft bis hinauf nach Großbardorf im Landkreis Rhön-Grabfeld.

Grandiose Blicke aus dem blauen Abendhimmel über Schweinfurt und verzauberte Spielzeuglandschaften der Rhön. Lautloses Schweben, nur unterbrochen von ein paar Sekunden Heizphase, wenn wieder Gas in den Ballon geblasen wird. „Das hört man gar nicht, weil man so mit dem Schauen beschäftigt ist“, erzählt Manuela Schenk.

„Sie hat gar nicht mehr aufgehört zu strahlen“, sagt Leupold und in der Erinnerung leuchten ihnen beiden die Augen wieder genauso auf. „Das ist das, was mir am meisten Freude macht, wenn Andere dieses gleiche Glücksgefühl erleben“, so der Ballonführer.

Nach der Fahrt werden die Luft-Neulinge mit einer Urkunde in den Adelsstand erhoben. „Manuela Luftprinzessin heißt es auf dem Dokument, „die den tollkühnen Aufstieg über Schweinfurt“ machte und „furchtlos in der untergehenden Sonne in Großbardorf“ wieder gelandet ist.

Und was geschieht, wenn lang gehegte Träume in Erfüllung gegangen sind? Es wachsen neue nach. Manuela Schenk will im Herbst über die Alpen fahren. Und dann mit dem Ballon sanft über die Berge schweben. Als Luftprinzessin.

 

Charlotte Wahler
http://www.mainpost.de

Die Lizenz zum Gondeln

Die Lizenz zum Gondeln
Vor dem StartLuftschiff überm Boden....

Georg Leupold aus Bad Königshofen darf ab sofort Heißluft-Luftschiffe steuern

Von unserem Redaktionsmitglied (Mainpost)
ALFRED KORDWIG




BAD KÖNIGSHOFEN Abgesehen von großen Verkehrsmaschinen und Mi­litärjets darf Georg Leupold aus Bad Königshofen (Lkr. Rhön-Grabfeld) fast alles fliegen, was sich mit oder ohne Motorkraft in der Luft halten kann. Jetzt kam eine weitere Spezies Luftfahrzeug dazu: Seit wenigen Ta­gen hat er die Lizenz zum Fahren von Heißluft-Luftschiffen.

Der Bad Königshöfer mit eigener Ballonfahrerschule war am Tag nach seinen Einweisungsfahrten immer noch schwer beeindruckt. „Luft­schifffahren war schon immer ein Traum von mir und nun ist er endlich in Erfüllung gegangen", so der Radio- und Fernsehtechniker­meister. „Das Fahrgefühl in der offe­nen Luftschiffgondel ist einfach un­beschreiblich."

Ausgangspunkt für die Einwei­sungsfahrten war neben dem Flug­platzgelände bei Bad Königshofen eine von Hügeln umschlossene Wiese in der Nähe von Jüchsen in Süd­thüringen. Dort herrschten ideale Start- und Landebedingungen. Denn Luftschiffe dürfen nur in die Luft, wenn es am Boden praktisch wind­still ist. Ansonsten wäre die 3000 Ku­bikmeter heiße Luft fassende Hülle nicht zu kontrollieren. „Oben in der Luft darf die Windgeschwindigkeit dann ruhig etwas höher sein", er­klärt Georg Leupold, der schon seit vielen Jahren im Besitz der Berufspi­lotenlizenz ist.

Luftschiff Start

3000 Kubikmeter heiße Luft: das Heißluft-Luftschiff beim Start.

Prinzipiell ist ein Heißluft-Luft­schiff einem Heißluftballon sehr ähnlich. Der Auftrieb erfolgt mit warmer Luft, die von einem Gas­brenner erzeugt wird. Der Unter­schied: Ein am Heck der Luftschiff­gondel angebrachter Propeller, der von einem 65 PS-Motor angetrieben wird, erzeugt Vortrieb, sodass kont­rollierte Fahrten mit Richtungswech­seln möglich sind. „Eine Kursände­rung muss aber rechtzeitig eingleitet werden, denn ein Luftschiff reagiert träge und erst mit Verzögerungö auf Lenkbewegungen", weiß Georg Leu- pold nach dem Ablegen seines „Luft­schiff-Führerscheins".

Weil der Bad Königshöfer über eine Ballonfahrerlizenz verfügt, ge­nügte eine mehrstündige Einwei­sung durch Fluglehrer Hermann Lö­ser in das Heißluft-Luftschiff, das die Warsteiner Brauerei zur Verfügung stellte. Nun darf er so ein Fluggerät selbst steuern und auch Passagiere mitnehmen. „Vier bis sechs Perso­ nen finden je nach Größe der Gon­del Platz", erklärt Leupold. Die Fahr­zeit sei allerdings auf etwa 40 Minu­ten begrenzt. „Dann müssen wir lan­den und die leeren Gasflaschen gegen volle austauschen."

Zehn, vielleicht zwölf Heißluft- Luftschiffe sind in Deutschland in Betrieb. Weltweit sind es keine hun­dert. Entsprechend teuer sind die Fluggeräte noch, die vor allem für Werbezwecke und Umweltbeobach­tungen eingesetzt werden. „Ich wer­de mir jedenfalls keines kaufen", so Georg Leupold auf die Frage, ob er sich denn die Anschaffung eines eigenen Luftschiffs vorstellen könn­te. Denn er weiß, was man für so ein außergewöhnliches Fluggerät auf den Tisch blättern muss: mindestens 200 000 Euro. Und da sind die Kos­ten für den zum Transport erforder­lichen großen Anhänger noch gar nicht inbegriffen.

P.S: mehr Bilder wie immer hier

Eure Rhoenballon - Team

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